Einheit von Subjekt und Welt.  

In welcher Beziehung stehen wir zur Welt? Ludwig Wittgenstein überrascht uns mit folgender Aussage: 

Das Subjekt gehört nicht zur Welt, sondern ist eine Grenze der Welt.

Mit Subjekt ist das bewusste Wesen gemeint. Demnach sollten wir nicht zur Welt gehören? Das entspricht sicherlich  nicht unseren gewohnten Vorstellungen. Der Satz wird verständlicher, wenn wir Wittgensteins Welt nur als das nehmen, was wir von ihr sehen, hören und fühlen, mit anderen Worten, was unsere Sinnesorgane vermitteln können. 

 

Diese Welt ist aber nur ein Teil unserer Wirklichkeit. Die ganze Wirklichkeit wird vom Bewusstsein getragen. Das bewusste Subjekt ist die Voraussetzung unserer Erlebniswelt. Und als Voraussetzung kann es selbst nicht in dieser Welt gefunden werden, es ist lediglich „eine Grenze der Welt“. 

Alles andere wäre ein Ding der Unmöglichkeit und deshalb ist es nur selbstverständlich, dass bislang alle Versuche, im menschlichen Gehirn Bewusstsein zu finden, scheitern mussten. 

Als Vergleich mag folgendes Beispiel dienen: Zwar schenkt die Sonne der Welt das Licht, dennoch ist sie nicht ein Teil der Welt. Mit ihrem Licht weist sie aber ständig auf ihre eigene Existenz hin. 

Ähnlich verhält es sich mit dem SubjektWenn sich es sich auch selbst nicht in unserer Welt zu erkennen gibt, so weist doch alles auf dieses Subjekt hin, alles zeigt auf das Subjekt. (Hier wird nochmals Wittgensteins so wichtiger Unterschied zwischen Darstellen und Zeigen deutlich). 

In der Meditation stellt sich die Aufgabe, dieses Subjekt, das hinter allem steht, zu erkennen. Aus diesem Grund fordert uns Tony Parsons immer wieder auf, in allem, was das Leben bietet, eine Einladung zu sehen : 
„Das ist also die Einladung. Was du bist, sieht, dass der Körper/Geist alles, was geschieht, in ein Konzept verwandelt ... Versuche nicht, irgendetwas damit zu tun. Der Sehende – derjenige, der das sieht – kommt immer mehr zum Vorschein. Es ist egal, was gesehen wird – das Einzige, was geschieht, ist, dass der Sehende sieht. Der Sehende sitzt da und sieht, wie du mich siehst. Und er ist immer da gewesen. All diese Jahre ist der Sehende immer da gewesen und hat dir beim Essen zugeschaut … Alles, was du deiner Meinung nach allein getan hast, hast du zusammen mit dem Sehenden getan, der das ist, was du bist." 
(DAS IST ES - Tony Parsons)

Mit dem Sehenden wird dann auch die Einheit von Subjekt und Welt  erkannt. 

 

Berlin, Februar 2020 - D. Bartel