Ich-Verzicht im Alltag 

Letztendlich führen alle Lehren sowie alles Gesagte und Geschriebene über Advaita und Buddha auf einen Umweg. Man könnte meinen, der Mensch sei für den direkten Weg nicht geschaffen und somit zu Umwegen gezwungen. Ein weit verbreitetes Missverständnis. So wird Tony Parsons nicht müde zu erklären, dass es keinen Weg geben kann, der uns zu einem Ort führt, an dem wir schon sind. 

Sich Klarheit zu verschaffen, kann helfen. Dazu sind möglichst einfache und leicht nachvollziehbare Konzepte gefragt. Wir kommen nochmals auf Tony Parsons zurück. Er betont die Befreiung von der Ich-Vorstellung. Ist das Ich erst einmal als Selbsttäuschung entlarvt, lösen sich viele Probleme wie von selbst.

Wie schon zuvor anhand des Zahnschmerzes dargestellt, dürfte es nicht schwerfallen, den Ich-Irrtum zu erkennen. Die entspannte Beobachtung wird deutlich machen, dass alle ritualisierten körperlichen Aktionen bestens ohne ein zusätzliches Ich auskommen. Dabei sollten wir vermeiden, unsere Beobachtung zu einer heiligen Angelegenheit zu verklären. Ein kurzer Blick genügt, um sich über den Unsinn Klarheit zu verschaffen. Gefragt, ob du heute Abend zum Essen kommen willst, wirst du doch kaum antworten: „Vielen Dank für die Einladung, ich komme gerne und bringe mich mit.“

Was unsere Alltagsaktivitäten angeht, können wir sehr wohl auf einen inneren Beobachter verzichten. Wie oft erweist sich das Ich als Spielverderber und Spaßbremse, wenn es unser Handeln hinterfragt. Und eines dürfen wir auf keinen Fall übersehen: Je entschiedener sich das Ich gegen eine missliche Situation wehrt, desto stärker fördert es seine Anhaftung.

Detlef B. Bartel 

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