Ist Erleuchtung etwas Besonderes? 

Erleuchtung ist letztendlich erfolgte Selbsterkenntnis. Im Allgemeinen halten wir es für etwas Außergewöhnliches, für eine ganz besondere Erfahrung, die nur den wenigsten Menschen zuteilwird. Das ist sicherlich einer der Gründe, weswegen viele von vornherein Abstand nehmen. 

Zen-Meister Shunryu Suzuki verglich Erleuchtung mit einer Schwangerschaft: Für die schwangere Frau ist es nichts Besonderes, schwanger zu sein. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Erleuchtung. Ist erst einmal der Groschen gefallen, wird es zum Normalsten der Welt. 

Allerdings ist der Vergleich des Zen-Meisters mit Vorsicht zu genießen, könnte doch so der Eindruck von einer erleuchteten Person entstehen. Eine erleuchtete Person bedeutet jedoch einen Widerspruch in sich. Wer sich selbst oder andere für erleuchtet hält, hat etwas grundsätzlich nicht verstanden. So warnen die Buddhisten mit Recht: „Solltest du auf der Straße Buddha begegnen, dann töte ihn.“ 

Die Vorstellung und der Wunsch nach Erleuchtung sind nur zwei der vielen Hindernisse auf dem Weg.


D. Bartel - Berlin, Juni 2020

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