Nobjekte - Niemand kann um sich selbst herum gehen

 Die Wortneubildung Nobjekt geht auf den österreichischen Kulturwissenschaftler und Philosophen Thomas Macho zurück. Für Peter Sloterdijk sind Nobjekte “Objekte, die ..... keine sind, weil ihnen kein subjekthaftes Gegenüber entspricht.“ (Sphären I - Blasen) Als Beispiel nennt er die Beziehung Plazenta / Kind im Mutterleib: „Plazentales Blut ist unter den Nobjekten der frühesten „Erfahrungs“welt die unüberholbar früheste Instanz.“

Für unseren Zweck möchte ich Nobjekt als etwas beschreiben, was sich normalen Objekten ähnlich verhält, aber kein Objekt ist. Als Beispiel sei das Wetter genannt, der Straßenverkehr oder die schlechte Laune des Chefs. Nobjekt besagt also nicht, dass da nichts ist. Es ist eben nur kein Objekt Ein einfaches Unterscheidungskriterium sei gleich mitgeliefert: Um ein Objekt kann man herum gehen, um Nobjekte dagegen nicht.

Gemäß dieser Definition kann ich selbst kein Objekt sein, weil es mir unmöglich ist, um mich selbst herumzugehen. Grundsätzlich kann sich kein Mensch jemals zum Objekt machen. Auch nicht der Philosoph. Jede Art von Subjektphilosophie ist somit schon im Ansatz ein Fehlschlag. Wer oder was bin ich dann als Nobjekt, als Nicht-Objekt? Wie ist diesem Dilemma zu entkommen?

Das Dilemma rührt daher, dass wir uns von der Welt getrennt sehen. Eine Täuschung. Ursprünglich gibt es nur Eins-Sein. Wenn du aber selbst das Ganze bist, wie willst du dann um dich herum laufen?

Detlef B. Bartel