Virtual Reality und Gehirn 

Über die Beziehung des Gehirns zur Umwelt schrieb der namhafte Neurobiologe Gerhard Roth Folgendes:

„Der Übergang von der physikalischen und chemischen Umwelt zu den Wahrnehmungszuständen des Gehirns stellt einen radikalen Bruch dar. Die Komplexität der Umwelt wird 'vernichtet' durch ihre Zerlegung in Erregungszustände von Sinnesrezeptoren, aus denen das Gehirn durch komplexe Mechanismen die überlebensrelevante Komplexität der Umwelt erschließen muss.“

Und er kommt folgerichtig zu dem Schluss: „Die Wirklichkeit, in der ich lebe, ist damit ein Konstrukt des Gehirns.“ (Auszug aus seinem Buch Das Gehirn und seine Wirklichkeit)

Diese Aussage entspricht durchaus dem heutigen neurowissenschaftlichen Kenntnisstand.

Die sich daraus zwingend ergebende Konsequenz bezüglich unserer Wirklichkeit scheint allerdings niemanden sonderlich zu beunruhigen. Das ist vor allem interessant, weil die digitale virtuelle Realität heute schon in aller Munde ist.

Mit dem nötigen Kleingeld kann sich jeder Besitzer eines Handys oder PCs eine Virtual Reality Brille kaufen. Mithilfe dieses Spielzeugs kann man in einen virtuellen Raum gelangen, der unter Umständen nicht mehr von unserer Wirklichkeit zu unterscheiden ist. 

Die wenigsten Cyber-Fans dürften sich darüber im Klaren sein, dass das Gehirn ebenfalls eine virtuelle Wirklichkeit erschafft, eben die zuvor beschriebene Wirklichkeit des Gehirns. 

Kurz gesagt: Unsere Wirklichkeit ist letztendlich eine Virtual Reality der besonderen Art.

Dass unser Gehirn von einer anderen Beschaffenheit ist als ein Handy oder  PC, tut in diesem Zusammenhang nichts zur Sache. Die Grundbausteine der Natur sind im Gehirn die gleichen wie in einem PC. 


D. Bartel - Berlin, November 2019

zurück