Wie lässt sich das Subjekt denken? 

Nach Wittgenstein gehört das Subjekt nicht zur Welt. Dennoch sprechen wir darüber. Wie lässt es sich dann überhaupt denken? Als einer der wenigen Philosophen hat sich Peter Sloterdijk dieser alles andere als trivialen Frage gestellt. In seinem Buch „Sphären I - Blasen“ schreibt er:

„Die spezifische Radikalität der psychologischen Wissenschaften vom Menschen manifestiert sich erst, wenn sie das Subjekt als etwas auslegen, das nicht nur sich selbst in symbolischen Ordnungen einrichtet, sondern auch von Anfang an ekstatisch in die gemeinsame Welteinrichtung mit anderen hineingenommen ist ... Folglich ist die Beziehung zwischen menschlichen Subjekten, die ein Nähefeld teilen, zu beschreiben als die zwischen unruhigen Behältern, die sich gegenseitig enthalten und ausgrenzen.“

Hier haben wir es wieder mit dem schon öfters angesprochen Problem zu tun, demnach eine Menge sich nicht selbst als Teilmenge enthalten kann. Sloterdijk erklärt es mit seinen Worten:

„Wie kann diese bizarre Verhältnis gedacht werden? Im physischen Raum ist es ausgeschlossen, dass ein Ding, das in einem Behälter liegt, zugleich seinen Behälter enthielte.  ..... Aber genau mit Verhältnissen dieses Typs hat es die Lehre vom psychologischen Raum von Beginn an zu tun.“

Und so gelangt Sloterdijk zu dem Schluss:

„Die Individuen, die sogenannten Unteilbaren, sind Subjekte nur insofern, als sie Teilhaber einer geteilten und zugeteilten Subjektivität sind.“

Das wäre dann das Ende des Subjektivismus und dies dürfte auch Michel Foucault zu seiner Wette auf die Zukunft verleitet haben, dass eines fernen Tages

„der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand“.


Detlef B. Bartel - Berlin, Oktober 2020

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