Wieso leidet der Mensch?

Mit Blick auf die alten Griechen schrieb Arthur Schopenhauer:
Man sah ein, dass die Entbehrung, das Leiden, nicht unmittelbar und notwendig hervorging aus dem Nicht-haben; sondern erst aus dem Haben-wollen und doch nicht haben; dass also dieses Haben-wollen die notwendige Bedingung ist, unter der allein das Nicht-haben zu Entbehrung wird, und den Schmerz erzeugt.“

Er zitierte in diesem Zusammenhang den Stoiker Epiktet:
Nicht die Armut bereitet den Schmerz, sondern die Begehrlichkeit.“

Mit andern Worten, die Leidensursache liegt nicht außerhalb von uns. Unter dieser Voraussetzung wäre es also der falsche Weg, draußen nach dem Glück zu suchen. Aber genau das tun wir ständig. 

Was ist unsere Sehnsucht? Wonach verlangen wir, was glauben wir, haben zu wollen und nicht zu haben? Sind wir unvollständig? Sollten wir der abendländischen Tradition vertrauen, dann schaut es tatsächlich so aus. Der christlichen Lehre nach sind wir von Anbeginn mit der Erbsünde belastet. Die fernöstlichen Weisheitslehren behaupten nun genau das Gegenteil. Sie gehen von einer uns innewohnenden Vollkommenheit aus. Selbsterkenntnis mittels Meditation bedeutet, diese Vollkommenheit wieder zu entdecken und uns von hausgemachtem Leiden zu befreien.

Detlef B. Bartel - Berlin, März 2020

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