Wieso leidet der Mensch?

Mit Blick auf die alten Griechen schrieb Arthur Schopenhauer:
Man sah ein, dass die Entbehrung, das Leiden, nicht unmittelbar und notwendig hervorging aus dem Nicht-haben; sondern erst aus dem Haben-wollen und doch nicht haben; dass also dieses Haben- wollen die notwendige Bedingung ist, unter der allein das Nicht-haben zu Entbehrung wird, und den Schmerz erzeugt.“

Er zitierte in diesem Zusammenhang den Stoiker Epiktet:
Nicht die Armut bereitet den Schmerz, sondern die Begehrlichkeit.“

Mit andern Worten, die Leidensursache liegt nicht außerhalb, sondern in uns. Unter dieser Voraussetzung wäre es also der falsche Weg, draußen nach dem Glück zu suchen. Aber genau das tun wir ständig. Ob wir ein neues Handy kaufen, das von weither zu uns kommt, oder wenn wir in der weiten Welt umherfliegen, in der Hoffnung, sich an einem anderen Ort wohler zu fühlen. Und was der technische Fortschritt alles verspricht, um es im Ernstfall nicht zu halten. All diese Wohlgefühle sind vorübergehend. Was bleibt, sind bestenfalls Schuldgefühle einer weiteren Verletzung unseres schönen Planeten.   

Was ist unsere Sehnsucht? Wonach verlangen wir, was glauben wir, haben zu wollen und nicht zu haben? Sind wir etwa unvollständig? Sollten wir unserer abendländischen Tradition vertrauen, dann schaut es tatsächlich so aus. Der christlichen Lehre nach sind wir von Anbeginn mit der Erbsünde belastet. Die fernöstlichen Weisheitslehren behaupten nun genau das Gegenteil. Sie gehen von einer uns innewohnenden Vollkommenheit aus. Selbsterkenntnis mittels Meditation bedeutet, diese Vollkommenheit wieder zu entdecken und uns von hausgemachtem Leiden zu befreien.

Dann werden wir auch Epiktets Worte besser verstehen.

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